„Smartphone auf Rädern“

Die 5G-Technologie gilt als Basis für das autonome Fahren. Wie sich damit zudem die Effizienz in der Autoproduktion steigern lässt, erklärt Vodafone-Chef Hannes Ametsreiter.

Als die erste 5G-Station von Vodafone in Aldenhoven in Nordrhein-Westfalen in Betrieb ging, hat Deutschlandchef Hannes Amets­reiter vor Ort ein Interview gegeben. Nichts Ungewöhnliches, mag man meinen. Allerdings war Ametsreiter per­sönlich gar nicht da. Er war zu der Zeit in Düsseldorf; das Gespräch führte er als Hologramm – und zeigte eindrucksvoll, was die 5G-Technologie leisten kann.

Dr. Hannes Ametsreiter ist seit Oktober 2015 CEO von Vodafone Deutschland und Mitglied des Konzern­vorstands der weltweiten Vodafone Group

Wann können Autos auf deutschen Straßen in 5G-Geschwindigkeit mit­einander kommunizieren?

Die Technologie funktioniert schon heute. In den nächsten Jahren werden nach und nach automatisierte Assistenzfunktionen Einzug in unsere Autos halten. Bis sie aber komplett autonom fahren, wird es vermutlich noch zehn bis 20 Jahre dauern. Dafür müssen sich die verschiedenen Technologien im Auto optimal ergänzen. Sensoren, Kameras, Mobilfunk und WLAN müssen im Zusammenspiel höchstmögliche Sicherheit garantieren.

5G steht auch in der Kritik. Zu viele Sendemasten seien notwendig, die gesundheitlichen Folgen seien nicht absehbar. Wie denken Sie darüber?

Wir bauen unser Mobilfunknetz aus, LTE ebenso wie 5G. Dafür werden vornehmlich bestehende Stationen aufgerüstet, aber auch neue hinzu­gebaut. Einen Mastenwald wird es damit jedoch nicht geben. Wir nutzen verschiedene Frequenzen für den Ausbau. Das ist nötig, um ein schnelles Netz auch in die Fläche zu bringen. Wir nehmen natürlich die Sorgen einiger Menschen ernst. Aber klar ist, 5G funkt auf ähnlichen Funkwellen wie LTE. Mobilfunk ist nach aktuellem Stand der Wissenschaft eine sichere Sache.

Mit dem Elektroauto-Hersteller e.GO haben Sie ein smartes Werk zur Automobilproduktion gebaut. ­Welche Ziele verfolgen Sie mit der Kooperation?

Im Werk, in dem der Elektro-Stadtwagen e.GO Life produziert wird, funkt ein lokales 5G-Campusnetz. 36 kleine Mobilfunkantennen bringen das schnelle Internet in die gesamte ­Produktionshalle. Die Daten verlassen das Unternehmensgelände nicht mehr, sondern werden in kleinen Echtzeit-Rechenzentren direkt im Werk verarbeitet. Das erhöht die Sicherheit. Von 5G profitiert zu Beginn vor allem die Industrie. Roboter und Maschinen werden in Echtzeit riesige Datenmengen austauschen und optimal auf­einander abgestimmt arbeiten. Autonome Transport­roboter lösen das Fließband ab. Maschinen melden ihren Zustand und können so repariert werden, bevor ein Defekt droht. Rohstoffe und Werkzeuge informieren immer über den aktuellen Standort, den Ladezustand der Batterie oder den nächsten Einsatz.

Das Auto der Zukunft wird ein mobiles Rechenzen­trum sein. Wie bewerten Sie diese Aussage?

Das Auto wird zum Smartphone auf vier Rädern. Autos, Ampeln, Fahrräder und Fußgänger werden in Zukunft noch mehr Daten miteinander austauschen und sich gegenseitig vor Gefahren warnen. Sensoren und Kameras werden sämtliche Umgebungsdaten erfassen. Ein voll automatisiertes Auto wird dann etwa ein Gigabyte Daten verbrauchen – pro Minute. Viele dieser Daten werden aber nicht ­direkt im Auto verarbeitet und analysiert, sondern außerhalb an der nächsten Mobilfunkstation, wo kleine Echtzeit-Rechenzentren integriert sein werden. Man spricht hierbei von Mobile-Edge-Computing. Die Rechenleistung wird also dezentralisiert.