Die derzeit beste Alternative

Nutzfahrzeuge elektrifizieren – das ist das Geschäftsmodell von I SEE Electric Trucks. Dafür kooperiert das 2017 gegründete Offenbacher Start-up mit dem Autobauer Opel und bringt den e-Vivaro und e-Movano auf deutsche Straßen. Im Interview erklärt Gründer und Geschäftsführer Andreas Pfeffer, warum er E-Antriebe für die aktuell beste Lösung hält.

Andreas Pfeffer ist Gründer und Geschäftsführer von I SEE Electric Trucks und hat 2018 in Enge-Sande I SEE Electric Busses gegründet


Warum haben Sie sich dazu entschieden, Nutzfahrzeuge zu elektrifizieren?

Wir halten batteriebetriebene Elektrofahrzeuge für das beste System im innerstädtischen und stadtnahen Bereich, das es aktuell auf dem Markt gibt. Daher haben wir uns dazu entschieden, nicht selbst Autos zu bauen, sondern uns rein auf die Elektrifizierung bestehender Fahrzeuge und Flotten zu konzentrieren. Die Fahrzeuge sind über Jahrzehnte von den Automobilherstellern im Hinblick auf Fahrwerk, Bremse und Komfortsysteme auf ein sehr hohes Niveau entwickelt worden. Der einzige Grund, warum Fahrzeuge in den Städten geächtet werden, ist der Diesel. Und den wollen wir ersetzen. Die Komponenten für die Umrüstung auf elektrisch kommen von namhaften Herstellern, die es kaum erwarten können, ihre teuer entwickelten Elektromotoren und Batterien auf der Straße zu sehen. Bei uns müssen sie dafür nicht zwei Jahre ins „Qualifying“, deshalb haben selbst die großen Player Interesse daran, mit uns zusammenzuarbeiten. Wir können die Batterien direkt einsetzen und morgen auf die Straße bringen – und erste Erkenntnisse daraus ziehen. Das sind Real-Life-Tests. Und der Kunde? Kein AdBlue, kein Ölfilter, kein Zahnriemen, kein Auspuff. Höchstens das Wischwasser muss von Zeit zu Zeit aufgefüllt werden.

Bei Nutzfahrzeugen, insbesondere Lkw, setzen viele Hersteller auch auf Wasserstoff. Wollen Sie diesen perspektivisch ebenfalls nutzen, oder setzen Sie weiterhin nur auf E-Antriebe?

Ein Fehler, den wir hier in Deutschland machen, liegt in der Entwicklung. Wir können jetzt natürlich warten, bis auch die Wasserstoff-Infrastruktur ausgereift ist, und die Fahrzeuge dann entsprechend bauen. Doch warten ist nicht das Credo. Das Motto sollte lauten: Fahrzeuge bauen, die heute schon möglich sind und Sinn ergeben. Natürlich könnte man abwarten und schauen, welche Technologie sich durchsetzt. Doch ich sehe, dass es jetzt einen großen Bedarf an alternativen Antrieben gibt: Ob DHL, DPD, der Bäcker, die Biokiste – dort funktioniert es bereits überall mit Batterie. Und ich kann dem Biokisten-Lieferanten aus Neumünster ja nicht sagen: Fahr nach Hamburg in die Innenstadt, da ist die nächste Wasserstofftankstelle. Wenn er zurückgefahren ist, ist sein Wasserstofftank schon wieder leer.

Hat Wasserstoff Ihrer Meinung nach Potenzial?

Wasserstoff hat eindeutig Potenzial. Doch es braucht dafür eine vernünftige Infrastruktur. Das Stromnetz ist bereits verbreitet. Ich kann über Nacht mein Auto laden und habe morgens einen vollen Tank. Bei Wasserstoff funktioniert das noch nicht. Und wenn eine Wasserstofftankstelle 30 Kilometer entfernt ist und ich nur zum Tanken dorthin fahren muss, ist das problematisch. Obwohl die Technologie vor mehr als 40 Jahren auf den Markt kam, hat sie heute noch nicht den Reifegrad, wie ihn rein batteriebetriebene Elektroautos haben. Doch ich halte es für sinnvoll, dass wir nicht mehr auf Dieselmotoren setzen. Auf der Schiene ist ein Wandel relativ einfach. Lkw können auf der Langstrecke ebenfalls mit Wasserstoff vorankommen, weil in deren Nähe die Tankstellen dann eben stehen müssen. Beide Technologien haben also ihre Daseinsberechtigung: Im urbanen Raum bieten sich E-Antriebe an und auf Langstrecken Wasserstoff. Und bei Letzterem muss man die Entwicklung konsequent forcieren, auch mit Bundes- und europäischen Mitteln. Doch die Batterie funktioniert bereits, warum also warten?