Digital Think Tank
Mobilität von morgen
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© Getty Images/Kai Zhang

Mit Vollgas in die Zukunft

Text: Miriam Rönnau

Autonom und ohne fossile Kraftstoffe fährt das Auto der Zukunft. Und sein Fahrer wird eher selten zugleich der Besitzer sein. In dieser Vision waren sich die Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik beim ersten DUB Digital Think Tank, einem Event der DUB Akademie, einig. Doch wer macht das Rennen – und wann?

Die „Fridays for Future“-Demonstrationen, das Pariser Klima-Abkommen, und von der Bundesregierung wird gerade die Einführung einer CO2-Steuer diskutiert: Man könnte deshalb meinen, in puncto Klimawende tue sich derzeit viel. Und dass dies bitter nötig ist, zeigt ein Blick auf den Kalender: Während im Jahr 1970 der „Erdüberlastungstag“ noch auf den 29. Dezember fiel, war es 2019 bereits am 29. Juli so weit. Das hat die Organisation Global Footprint Network ermittelt.

Konkret heißt das: Die Menschheit hatte bis dahin schon mehr natürliche Rohstoffe verbraucht, als in diesem Jahr nachwachsen können. Wären wir Menschen Tiere und die Umwelt wäre unsere Speisekammer, müssten wir den Rest des Jahres hungern. Kurzum: Wir leben deutlich über unsere Verhältnisse. Wollen wir weiterhin in diesem Maße konsumieren und wirtschaften, bräuchten wir die Ressourcen von 1,75 Erden. Die haben wir aber nicht. Also ist Umdenken angesagt.

Das Verkehrsproblem

Besonders problematisch ist der CO2-Ausstoß. Kohlendioxid macht mit 88 Prozent den mit Abstand ­größten Teil der Treibhausgase in der Atmosphäre aus. Es entsteht in erster Linie bei Verbrennungsvorgängen – etwa bei der Strom- und Wärmeerzeugung, im Straßenverkehr und in der Industrie. Zwar zeigt eine Untersuchung des Umweltbundesamtes: Dank Grenzwerten und neuer Technologien sank die Emission von CO2 in den vergangenen 23 Jahren bei Pkw um etwa 15 Prozent, bei Lkw um 30 Prozent.

Das Problem dabei: „Umso effizienter die Motoren, desto mehr Personenverkehr haben wir“, sagt Sven Schulze, Partner beim Beratungsunternehmen Economic Trends Research, beim DUB Digital Think Tank. Das heißt: Der Pkw-Verkehr hat zwischen 1995 und 2017 um knapp 18 Prozent zugelegt. Das relativiert geringere Emissionen pro Fahrzeug.

Was also kann helfen, um die Verkehrswende voranzubringen? „Es braucht mehr öffentlichen Verkehr im urbanen Raum und einen organisierten Zulieferverkehr – mit alternativen Antrieben“, sagt die ehemalige Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries. In der Vergangenheit hat man es anders gehandhabt: So wurden etwa Bus- und Bahnverbindungen gekappt, das Privatauto wurde zum Statussymbol erkoren. Jetzt aber gilt es für die Wirtschaft, neue Ansätze und Technologien zu ent­wickeln. 

„Die junge Generation Z hat eigene Wertvorstellungen. Sie und die mittelständischen Betriebe müssen in die Diskussion und Umsetzung nachhaltiger Konzepte einbezogen werden“, sagt Manuela Teinert, Geschäftsführerin der Beratung nachhaltigunternehmen. „Denn sie haben als tragender Teil der Gesamtgesellschaft die Chance, potenzieller Problemlöser zu sein. Es bedarf politischer Rahmenbedingungen, Anreize und gemeinsamen Handelns.“ So hat die Bundesregierung beispielsweise auf dem jüngsten Autogipfel mit Autobauern einen Masterplan entwickelt, der vorsieht, bis 2030 zehn Millionen E-Autos auf die Straßen zu bringen – und dafür die Ladeinfrastruktur zu verbessern.

Dennoch bleiben Probleme. Kritiker bemängeln die Reichweite der Stromer, die hohen Anschaffungskosten sowie die Tatsache, dass in Deutschland der Großteil des Stroms noch aus fossilen Energieträgern stammt. Laut dem „Automobilbarometer 2019“ von Consors Finanz meinen zwar 79 Prozent der Befragen, das E-Auto sei die Zukunft. Doch nur 30 Prozent wollen sich in den nächsten fünf Jahren eines zulegen.

Viele Wege zum Ziel

Und mit alternativen Antrieben allein ist es sowieso nicht getan. „Elektromobilität, autonomes Fahren, Mobilitätsdienstleistungen: Letztlich wird die Kombination mehrerer Trendthemen neue Geschäftsfelder hervorbringen“, sagt Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management. Die Fragen rund um die Mobilität der Zukunft müssen demnach lauten:

  • Wie sieht ein nachhaltiger Stadtverkehr aus?
  • Wie wird sichergestellt, dass der ländliche Raum ebenfalls von der Verkehrswende profitiert?
  • Welche Rolle spielen Carsharing-Konzepte?
  • Sorgt autonomes Fahren für mehr Sicherheit?

All das diskutierten Experten aus Wirtschaft, Wis­senschaft und Politik mit rund 100 Gästen beim ersten DUB Digital Think Tank in Hamburg. Dabei waren sich alle einig: Vieles wird anders. Nur wann und wie? Die DUB UNTERNEHMER-Redaktion hat die ­zentralen Ergebnisse der Debatten zusammengefasst.

Im Video geben die Experten erste Antworten: